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In Ruhe zur Entscheidung

Pflege durch Angehörige
Wie finde ich heraus, ob und in welchem Umfang ich die Pflege eines Angehörigen realistisch leisten kann? Diese und viele weitere Fragen stellen sich, bevor Sie die Pflege eines nahen Angehörigen übernehmen. Wichtig ist, die Wünsche des Angehörigen (z. B. Zuhause bleiben) mit Ihren eigenen Möglichkeiten (Zeit, Beruf, Familie, Gesundheit, Kosten) ehrlich abzugleichen. Nehmen Sie sich dafür bewusst Zeit – frühzeitig und ohne Druck.
  1.  Offenes (Familien-)Gespräch (auf Augenhöhe)

Zuhören statt bewerten. Zuerst klären: "Was ist Dir wichtig? Was ist mir wichtig?" 

  1. 14-Tage-Pflegetagebuch „light“

Morgens/Mittags/Abends/Nachts kurz notieren: Welche Hilfe wird wie oft benötigt? Wie aufwendig ist das?

Nutzen Sie die Ampel-Logik: Grün = dauerhaft machbar · Gelb = befristet/mit Hilfe · Rot = extern lösen.
Als strukturierte Vorlage eignet sich das barrierefreie Pflegetagebuch des SoVD. (Download am Ende der Seite)

  1.  Kapazitätscheck für Angehörige

Wieviel Zeit pro Woche ist realistisch (ohne auf Dauer zu überfordern)? Wer kann mitziehen (Partner/Partnerin, Geschwister, Nachbarn) – verlässlich und planbar? Was sind Ihre nicht-verhandelbaren Grenzen (Nachtpflege, Intimpflege, medizinische Maßnahmen)? Jede/r sollte realistische Wochenstunden eintragen (inkl. Fahrten/Telefonate) – plus seine Grenzen klar benennen.

  1. Sicherheitsrundgang zu Hause

Sturzfallen, Bad, Licht, Herd, Medikamente – Sofortmaßnahmen gemeinsam festlegen (z. B. Nachtlicht, rutschfeste Matte, sichtbarer Medikamentenplan). Hilfreich sind einfache Pflegehilfsmittel; viele technische Hilfen können leihweise überlassen werden. 

  1.  Neutrale Beratung einbinden und rechtliche Rahmenbedingungen klären

    Kontakt zum Pflegestützpunkt  und – je nach Lage – zur Hausärztin/zum Hausarzt bzw. einem Pflegedienst aufnehmen. Der Pflegestützpunkt unterstützt bei Anträgen, Übergangslösungen und einem Versorgungsplan und führt auch die erforderliche Pflegeberatung nach §37 Abs.3 SGB XI durch. 
    Wenn es naheliegt: Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen – das geht formlos, auch telefonisch. 

  2.  Vereinbarkeit mit Beruf prüfen

    Sprechen Sie früh mit Ihrem Arbeitgeber über kurzfristige Auszeiten und flexible Modelle (z.B. Gleitzeit, Homeoffice-Anteile, Tausch von Diensten). Gesetzliche Möglichkeiten (je nach Situation und Arbeitgebergröße) sind z. B.: 

    Akut-Pflegezeit / kurzzeitige Arbeitsverhinderung (bis zu 10 Arbeitstage) mit Pflegeunterstützungsgeld über die Pflegekasse der pflegebedürftigen Person.

    Pflegezeit (zeitweise vollständige oder teilweise Freistellung, befristet) und Familienpflegezeit (reduzierte Arbeitszeit).

  3. Im Anschluss: Aufgaben verteilen & klein starten
    Wer übernimmt Grün, was braucht bei Gelb Unterstützung und Rot wird extern organisiert (z. B. ambulanter Dienst, Tagespflege). Kleine, reversible Maßnahmen einige Zeit testen. 

Tipp: Sie dürfen nachjustieren. Was heute passt, darf sich morgen ändern.